Geschäftsbericht 2024
Wie Sterne funkeln die Lichter auf dem Laufsteg beim großen Finale von "Germany’s Next Topmodel – by Heidi Klum". Es ist einer der spektakulärsten Fernsehabende des Jahres. Ein Knistern liegt in der Luft, während die Anspannung der Kandidat:innen steigt und der Höhepunkt der Finalshow näher rückt. In Heidi Klums Show kämpfen Model-Talente um den Titel und die Chance, in der Modewelt durchzustarten. Die emotionale Achterbahnfahrt, von aufregenden Fotoshootings bis hin zu nervenaufreibenden Entscheidungen der Jury, zieht die Zuschauer:innen auf ProSieben seit zwanzig Jahren in ihren Bann. Und immer mehr Fans der Castingshow erleben die magischen Momente live oder on Demand auf Joyn. Denn die Streaming-Plattform von ProSiebenSat.1 macht das TV-Highlight rund um die Uhr verfügbar. Von der ersten Folge bis zum Finale – die Jagd nach dem Titel des besten Nachwuchsmodels ist immer nur einen Klick entfernt.
Zufriedene Gesichter in der Unternehmenszentrale in Unterföhring. "GNTM ist auch für Joyn eine absolute Erfolgsgeschichte, alle Ausgaben der Show gehören regelmäßig zu den meistgestreamten Inhalten auf unserer Plattform", sagt Katharina Frömsdorf. Die Diplom-Volkswirtin blickt auf eine lange Karriere bei ProSiebenSat.1 zurück und kennt den Konzern wie kaum eine andere. Seit Herbst 2023 arbeitet sie als Chief Platforms & Growth Officer und CEO von Joyn mit ihrem Team an der Weiterentwicklung der Streamingplattform. Und baut Brücken innerhalb der Gruppe: "Joyn steht bei unseren Entscheidungen immer im Mittelpunkt. Diese Neuausrichtung hat sich als entscheidender Schritt erwiesen und spiegelt sich im starken Wachstum des vergangenen Jahres wider, das Joyn als zentralen Bestandteil unserer Strategie bestätigt", so Frömsdorf.
Eine Streaming-Plattform im Zentrum eines TV-Konzerns? Auch für ProSiebenSat.1 ist das ein Paradigmenwechsel – für den Vorstandsvorsitzenden Bert Habets aber ein absolut folgerichtiger: "Wir haben ein klares Ziel: der Nummer-eins-Entertainment-Anbieter im deutschsprachigen Raum zu werden, mit hoher Profitabilität und schnell wachsenden digitalen Geschäftsmodellen." Um dieses Ziel zu erreichen, muss sich das Unternehmen konstant an die Bedürfnisse der Zuschauer:innen anpassen. "Streaming hat die Art, wie wir Inhalte konsumieren, revolutioniert", erläutert Habets. "Dem tragen wir Rechnung, indem wir Joyn in den Mittelpunkt unserer Entertainment-Strategie stellen. Joyn soll das Beste aus TV und Social Media in einem Angebot vereinen. Das ist für uns die Definition eines Superstreamers: alles in einer App – umfassend, kostenlos und für alle Zielgruppen."
In Österreich ist man diesem Ziel schon sehr nah: Die dortige Ausgabe von Joyn, ehemals Zappn, hat sich in der Alpenrepublik als Marktführerin im kostenlosen Streaming etabliert – mit zahlreichen Partnern, darunter lokale Größen wie Servus TV und Krone TV, sowie einer Vielzahl von Live- und On-Demand-Inhalten. Auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk Österreichs ist mit seinen Angeboten inklusive Mediatheken auf der Plattform vertreten. Mit rund 1,8 Millionen aktiven Nutzern ist Joyn Austria ein Superstreamer im eigenen Markt und überzeugt mit seinem kostenlosen Angebot.
Ein wesentlicher Treiber dieses Erfolgs ist Markus Breitenecker. Seit 1998 hat er das Geschäft der ProSiebenSat.1 Group in Österreich geleitet und in dieser Zeit ProSiebenSat.1 PULS4 zur größten privaten Fernsehgruppe und Joyn zum größten Streamer des Landes ausgebaut. Seit April 2024 skaliert er als Chief Operating Officer (COO) im Vorstand von ProSiebenSat.1 diesen Erfolg nun auf die nächste Ebene. "Jetzt wollen wir Joyn auch in der gesamten DACH-Region zur größten kostenlosen, werbefinanzierten Plattform mit dem besten Angebot auszubauen", formuliert Breitenecker das klare Ziel. Die Content-Pipeline von Joyn ist gut gefüllt – und bietet Zugriff auf über 70 Sender, Live-Kanäle und Themenchannels sowie insgesamt rund 48.000 Stunden Programm zum Abrufen.
Mit seinem konsequenten Fokus auf werbefinanzierte und dadurch für alle Nutzer:innen kostenlose Inhalte besitzt Joyn ein Alleinstellungsmerkmal im deutschen Werbemarkt. Während die meisten nationalen und internationalen Streamingportale primär auf Abo-Modelle setzen, verfolgt Joyn als AVoD-Angebot (Advertising Video-on-Demand) einen anderen Ansatz. Für ProSiebenSat.1-Chef Habets der richtige Weg in die Zukunft. "Wir sind ein profitables TV-Unternehmen, das mit klassischem Fernsehen eine hohe Werbewirkung erzielt", erklärt der gebürtige Niederländer. "Werbetreibende wollen weiterhin auf dem Big Screen werben. Deshalb integrieren wir Joyn als kostenlose Streaming-Plattform mit Live- und On-Demand-Inhalten genau dort. Joyn erweitert damit unsere Reichweite und ist ein zusätzlicher Verbreitungskanal."
"Und der kann sich sehen lassen", ergänzt COO Breitenecker. "Mit Joyn haben wir das breiteste und vielfältigste frei zugängliche VoD-Angebot in Deutschland. Gleichzeitig verfügen wir über große Expertise bei der TV-Vermarktung. Das ist eine sehr attraktive Kombination für unsere Werbekund:innen." Bereits heute bietet die Vermarktungstochter Seven.One Media umfassende Vermarktungspakete an – mit besonderem Fokus auf Joyn.
Joyn, ein Paradies für Werbungtreibende? Markus Messerer, seit Sommer 2024 Chief Commercial Officer der Seven.One Entertainment Group und Vorsitzender der Geschäftsführung von Seven.One Media, schmunzelt. "Die Rahmenbedingungen für Werbekunden sind bei uns einzigartig. Diese Möglichkeiten und diese hohe Qualität von Inhalten gibt es für den Werbemarkt tatsächlich nur bei uns. Mit seiner großen Library an US-Serien und Filmen, dem Zugriff auf den kompletten Content von ProSiebenSat.1 und den Joyn Originals ist Joyn ein sehr attraktives Werbeumfeld für Marken." Und noch etwas stimmt den Vermarktungschef optimistisch: Hochwertiges Inventar im deutschsprachigen Raum ist entscheidend, um Budgets flexibel zu gestalten und in den lokalen Markt zu investieren. "Joyn ist dafür der ideale Partner. Denn wir bieten beste Werbeumfelder auf dem Big Screen, und zwar mit höchster Werbewirkung."
Die Zeichen stehen auf Wachstum für Gratis-Angebote wie Joyn. Aktuelle Studien zeigen: Joyn wird häufig auch als Zusatzangebot in Haushalten genutzt. Der Fernseher flimmert im Wohnzimmer, währenddessen läuft Joyn in anderen Räumen wie Küche oder Kinderzimmer auf weiteren mobilen Endgeräten. Darüber hinaus gewinnt die Plattform zunehmend an Bedeutung in Einrichtungen wie zum Beispiel in Studentenwohnheimen und Hotels. Seit Sommer 2024 verstärkt zudem der Wegfall des Nebenkostenprivilegs In Deutschland diese Entwicklung: Mieterinnen und Mieter in Deutschland können nun selbst entscheiden, ob und in welcher Form sie einen Kabelanschluss nutzen möchten. Auch viele junge Menschen suchen nach kostenlosen Möglichkeiten, um Nachrichten, Sport und Unterhaltung zu konsumieren. Oft verfügen sie nur über einen Internetanschluss und wollen sich lediglich ein Streaming-Abo leisten. "Diese Trends zeigen Wachstumspotenzial für Joyn. Das werden wir nutzen", sagt Joyn-Chefin Frömsdorf.
Schon heute kommt Joyn bei den User:innen an – und das nicht nur dank beliebter Shows wie "Germany’s Next Topmodel – by Heidi Klum". Auch Eigenproduktionen wie die SAT.1-Serie "Die Landarztpraxis", Reality-Highlights wie "Promi Big Brother" oder Joyn Originals wie die Serie "Die Stinos" oder das Creator-Format "The Race" haben die Nutzerzahlen in den vergangenen Monaten steigen lassen und das Markenprofil des angehenden Superstreamers geschärft. Für Katharina Frömsdorf steht fest: "Jeder Content, den wir bei ProSiebenSat.1 entwickeln, soll in erster Linie für Joyn funktionieren und nicht nur für das klassische Fernsehen. Wir setzen in diesem Jahr auf Expansion und werden unsere Top-Formate weiter stärken." Neben Ablegern erfolgreicher Shows wie GNTM oder "The Masked Singer" setzt Joyn verstärkt auf Inhalte von neuen, oftmals jungen Talenten aus der digitalen Creator-Welt.
Um weiter wachsen zu können, konzentriert sich Joyn auch auf den Ausbau neuer Content- und Distributionspartnerschaften. Klares Ziel dabei: die eigene Markenpräsenz zu stärken. "Im vergangenen Jahr haben wir die Zusammenarbeit mit der Telekom und Sky intensiviert. Das hat zu einem starken Wachstum geführt", berichtet Frömsdorf. Darüber hinaus setzt die Joyn-Chefin auf den Ausbau des Portfolios. "Joyn ist als Aggregationsplattform auch für kleinere Player oder Spartensender interessant." So ist seit Herbst 2024 beispielsweise der amerikanische Nachrichtenanbieter CNN über Joyn verfügbar. Zudem investiert das Team um Frömsdorf in die bessere Auffindbarkeit der Inhalte und bringt immer mehr Themenbereiche auf die Streaming-Plattform. Ein Abspielkanal für Anime-Fans, eine Programm-Lane mit Shows von Joko und Klaas oder ein Kanal mit allen verfügbaren Folgen von "jerks"? Bei Joyn mit einem Klick zu finden. Aber auch mit den großen Playern, wie den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF, steht Joyn im Austausch – und bietet bereits heute öffentlich-rechtliche Programmhighlights an. Und will weiterwachsen. "Unsere Vision ist klar: Joyn bietet Platz für alle Bewegtbildanbieter in Deutschland", sagt die Joyn-Chefin.
Drei Fragen an Joyn-Programmchef Thomas Münzner
Wir leben in einer sich schnell verändernden Medienlandschaft. Welche Trends und Themen siehst du als besonders relevant für die zukünftige Content-Strategie von Joyn?
Ein sehr spannendes Feld ist für uns die rasant wachsende Creator Economy – also junge Menschen, die als Content Creators eigene Inhalte erstellen und über digitale Plattformen verbreiten. Im Umfeld von YouTube, Twitch & Co. tummeln sich viele vielversprechende Talente vor und hinter der Kamera. Mit solchen jungen Künstlern haben wir bereits im vergangenen Jahr erfolgreiche Formate wie "THE RACE" oder "Lost Chefs" auf Joyn gestartet. Diese Inhalte wollen wir in Zukunft weiter ausbauen.
Wie sieht für dich die perfekte Balance zwischen Eigenproduktionen und Lizenzen aus?
Wir versuchen, unsere streaming-affinen Genres immer ganzheitlich auszurichten. Das heißt: Wir bauen unterschiedliche Genres auf, die wir auf verschiedene Zielgruppen ausrichten, und da unterscheidet sich der Mix aus Eigenproduktionen und Lizenzen stets. Mit Eigenproduktionen wie "Big Brother" oder "INTIMATE" gewinnen wir neue Nutzer:innen hinzu und machen unsere Marke Joyn noch bekannter – vor allem bei den Zielgruppen, die wir über unsere klassischen TV-Marken nicht mehr so gut wir früher erreichen. Lizenzen hingegen helfen uns, die Userinnen und User bei der Stange zu halten, etwa mit beliebten und strahlkräftigen Inhalten wie dem US-Serienhighlight "Navy CIS" oder dem ARD-Erfolgsformat "Lindenstraße". Diese erfolgreichen Inhalte treiben zudem das Engagement auf Joyn.
In Anbetracht der zunehmenden Konkurrenz im Streaming-Markt: Welche Ansätze plant ihr, um Joyn von anderen Plattformen abzuheben?
Joyn ist als Aggregator ausgerichtet, also als Heimat für unterschiedlichste Content-Angebote. Wir haben mittlerweile über 100 Free-TV, FAST- und On-Demand Channels sowie zahlreiche Mediatheken auf Joyn. Diese Bündelung von Content-Angeboten auf einer Plattform ist sehr wichtig, gerade in einem fragmentierten Markt mit einem Überangebot an Content. Wir werden unsere Partnerschaften in den nächsten Jahren weiter ausbauen, um vom zunehmenden Wettbewerb zu profitieren.
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